Unterwegs in Lille: 1:2 Sieg im CL-Achtelfinale
Leon Vogt
SGC-Mitglied
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Weiter geht unsere Europapokal-Reise! Der SGC unterwegs im Norden Frankreichs.
Klingelt der Wecker um 5 Uhr und das Erste, was man sieht, ist ein neongelbes BVB-Trikot über dem Stuhl, dann weiß man: Es ist wieder so weit. Auswärtsfahrt. Champions League. Diesmal nach Flandern, in den kalten Norden Frankreichs, nach Lille. Der glorreiche 0:3-Auswärtssieg in Lissabon ist noch nicht allzu lange her, und schon steht die nächste Runde an. Nach dem Unentschieden zu Hause mussten wir gewinnen, um den Einzug ins Viertelfinale zu sichern – das war der klare Anspruch an die Mannschaft.
Los geht’s!
Also raus aus dem Bett, rein ins Trikot und mit etwas Schlafentzug im Gepäck ab auf die Autobahn Richtung Flughafen. Ein kleiner Snack vor Ort, und dann hob das Flugzeug Richtung Paris Charles de Gaulle ab. Paris – richtig gelesen!
Direkte Verbindungen ins nahegelegene Brüssel oder nach Lille passten nicht in unsere Zeitplanung, also nahmen wir den Umweg über Paris in Kauf. Nach kurzer Wartezeit ging es von dort mit dem TGV weiter Richtung „Lille Flandres“.

Stunden vor dem Spiel
Das Wetter war ähnlich bescheiden wie bei uns im Chiemgau: Eine graue Wolkendecke erstreckte sich über den Himmel. Doch die Vorfreude auf ein tolles Auswärtsspiel ließ sich davon nicht trüben. Nach etwa einer Stunde Fahrt kamen wir in Lille an – eine mittelgroße, traditionelle, aber sehr hübsche Stadt. Alte, für die Gegend typische Gebäude säumten die kleinen Straßen, als wir ins Zentrum strömten und dort auch die ersten gelben Trikots des Tages erkannten. Noch hielten sich einige Dortmunder zurück, aber je näher wir dem vom BVB empfohlenen Fan-Treffpunkt „Place du Général de Gaulle“ kamen, desto gelber wurde die Stadt.
Noch gut vier Stunden bis Anstoß – und wir hatten richtig Bock! Ein kalter Wind fegte durch die Straßen, immer wieder erwischten uns kleine Schauer. Also ging es ab in den Untergrund, gemeinsam mit anderen Fans nahmen wir die Metro zum Stade Pierre-Mauroy. 15 Minuten Fahrt zwischen verwunderten Franzosen, die gerade Feierabend hatten und sich fragten, was wir in ihrer Metro suchten. Eigentlich sollte das klar sein – schließlich stand ein historisches Spiel für den OSC Lille an. Erst dreimal hatte der Klub das Achtelfinale der Königsklasse erreicht, und nun bestand erstmals realistische Hoffnung auf ein Viertelfinale – ein Novum. Wir wussten um den Druck, gönnten den Franzosen aber diese Vorfreude auf einen großen Fußballabend.

Der Hauptplatz in der Altstadt Lilles

Unterwegs in der Stadtmitte Lilles

In der großen Kathedrale von Lille

In der großen Kathedrale von Lille

Klassische Elemente in Lille

Unterwegs in der Stadtmitte Lilles

Malerische Altstadt in Lille

Unterwegs in der Stadtmitte Lilles
Am Stadion angekommen
An der Metrostation nahe dem Stadion angekommen, formierte sich schnell eine große Gruppe Dortmunder Fans. Gemeinsam marschierten wir Richtung Stadion – unter dem wachsamen Auge der Polizei, die sich einen ruhigen Abend erhoffte. Es war nur ein kurzer Fußweg, dann standen wir vor dem erst 2012 erbauten Stade Pierre-Mauroy. Über eine Brücke gelangten wir zur großen Kuppel und zum Eingang für Auswärtsfans. Wir mussten etwas abseits warten und wurden dann in Gruppen eingelassen. Was zunächst nervig wirkte, war rückblickend gut organisiert und sorgte für einen reibungslosen Einlass.
Piff ertönt und Adrenalin steigt
Also die Treppen hoch und rein in den Block. Als wir das erste Mal ins Innere des Stadions traten und den Rasen sahen, erinnerte mich das Stadion sofort an das von RB Salzburg – Tribünen, Innenraum und Rasen ähnelten sich sehr. Dank freier Platzwahl suchten wir uns oben rechts zwei gute Plätze: gute Sicht auf das Spielfeld trotz Fahnen und gleichzeitig die Stimmung aus der Mitte mitnehmen. Kurz kam die Mannschaft raus zum Aufwärmen – großer Applaus natürlich, wir feuerten die Jungs nochmal ordentlich an. Die Zeit verging schnell, 18:45 Uhr – Anstoß.

Stehen wir schon vor dem Aus?
Im ganzen Stadion wehten rot-weiße Fahnen, ein riesiges Tifo entstand. Auf der Fantribüne des LOSC wurde ein Bild des „Beffroi de la Chambre de Commerce de Lille“ hochgezogen – ein Wahrzeichen der Stadt. Eine wirklich starke Choreo der Heimfans.
Kaum ertönte die Champions-League-Hymne, rollte auch schon der Ball. Minute 5 – ein gefährlicher Angriff über links, Ball in die Mitte zu Lilles Top-Torjäger Jonathan David. Der machte kurzen Prozess und schob den Ball mit der ersten Berührung aus etwa sieben Metern, vorbei am zu spät kommenden Schlotterbeck, durch die Beine von Kobel ins Tor. Oh Mann… Kaum war das Spiel gestartet, standen wir faktisch schon vor dem Aus. Die Stimmung war kurz im Keller, aber wir mussten uns zusammenreißen und das Spiel drehen. Doch die erste Halbzeit verlief weiterhin bescheiden: Lille dominierte, erarbeitete sich Chancen, wir hingegen nutzten unsere nicht. Wir fieberten dem Halbzeitpfiff entgegen – immerhin blieb es beim 1:0. Jetzt brauchte es klare Worte von Kovac und dann volle Power.

Die Choreo der Flandres erstreckte sich über alle Tribünen

Fahnen wehten reichlich im Block

Das Tifo der Heimfans kurz vor Anstoß

Die Mannschaft vor unserem Block nach dem Abpfiff

Das Stade Pierre Mauroy bei Nacht
Emotionales Auf und Ab…
Und ja – irgendetwas wurde in der Kabine besprochen, das Wirkung zeigte. Nach Wiederanpfiff hatte das Spiel eine völlig andere Dynamik. In der 51. Minute wurde Guirassy von unserem Ex-Rechtsverteidiger Thomas Meunier im Strafraum gelegt – Elfmeter. Guirassy wollte schießen, aber unser Nummer-1-Schütze war Emre Can. Also trat Emre an. Einige Fans drehten sich weg, zu groß die Anspannung. Doch als wir alle die Arme hochrissen, wussten auch sie: Der Ball war drin! Souverän und eiskalt in die Mitte – unser Kapitän traf. Euphorie pur! Bierdusche von oben, Schreie, die Europapokal-Hymne – wir waren zurück im Spiel. Neben uns Kevin Großkreutz, der sich mitten unter uns wiederfand – kein Halten mehr. Adrenalin pur im ganzen Block.
Wir kämpfen uns zurück!
„Auf geht’s Jungs, jetzt drehen wir das Ding!“ schallte es durch die Kurve. Nur 14 Minuten später: Wir belagerten den gegnerischen Strafraum, Guirassy legt ab auf Beier – Wahnsinn! Von der Strafraumkante zirkelt er den Ball ins rechte Kreuzeck – unhaltbar, ein Traumtor! Und das als aller erstes Champions-League-Tor – kann man machen. Jetzt explodierte der Block – links, rechts, oben, unten – pure Ekstase. Wir hatten das Spiel binnen 15 Minuten komplett gedreht. Jetzt nur noch Zittern bis zum Abpfiff und das Spiel irgendwie kontrollieren – das klappte. Als der Schlusspfiff ertönte, war die Freude grenzenlos – gerade nach so einer schwachen ersten Hälfte. Die Mannschaft kam zum Block, wir feierten gemeinsam den Sieg, den Einzug ins Viertelfinale und blickten voller Vorfreude auf Barcelona.
„Auf geht’s Jungs, jetzt drehen wir das Ding!“
Ekstase im Block nach dem Schlusspfiff (Ton an!)
Nach 12 Stunden zurück in den Chiemgau
Wie so oft bei Auswärtsspielen saßen wir noch die Blocksperre ab, machten Fotos und tauschten uns mit anderen Fans aus. Alles lief reibungslos. Zurück in der Stadtmitte steuerten wir die Flixbus-Station an – da abends keine Züge mehr fuhren, hatten wir im Vorfeld die Busfahrt zum Flughafen Paris CDG gebucht. Da der Bus erst kurz vor Mitternacht fuhr und wir noch zwei Stunden Zeit hatten, machten wir es uns in der Hotellobby gegenüber gemütlich und ließen den Tag bei ein paar Drinks Revue passieren. Schnell waren wir uns einig: Für solche Spiele lohnt sich die Reise!
Punkt 23:50 Uhr kam der Flixbus Richtung Paris, wo wir dann noch knapp vier Stunden bis zu unserem Rückflug um 6 Uhr morgens nach München überbrückten.
Diese Champions-League-Auswärtsspiele sind immer etwas Besonderes. Flutlicht, Hymne, beste Stimmung im Block und Eindrücke aus den verschiedensten Städten Europas. Lille hatten wir kaum auf dem Schirm – doch durch Spiele wie dieses lernt man solche Orte besser kennen. Uns hat es sehr gefallen in Frankreich, und wir freuen uns auf die beiden Spiele gegen Barca. Wer weiß – vielleicht gelingt uns das Wunder und wir holen die Punkte gegen Hansi’s Truppe.
HEJA BVB
Auch in Portugal waren wir dabei!
Bereits einen Monat zuvor konnten wir das Weiterkommen in den Play-Offs gegen Sporting sichern. Den Artikel zur ganzen Reise gibts unten!